




3.500 denkmalgeschützte Gebäude aus Spätgotik, Renaissance, Barock, Gründerzeit und Jugendstil prägen das Görlitzer Stadtbild. Beginnen wir unseren virtuellen Stadtrundgang am Postplatz.
Der Postplatz mit dem 1887 erbauten Brunnen von Robert Toperentz wurde durch häufige Veränderungen der Grünanlage zum Anziehungspunkt für die Görlitzer und seiner Besucher. Mittelpunkt des Platzes ist die Muschelminna. Der Kunstbrunnen erhielt seinen Namen von der bronzenen Frauenfigur, die eine Muschel über dem Kopf hält. Der Kunstbrunnen besteht im Unterbau aus vier lebensgroßen Skulpturen, welche von der Muschelminna gekrönt werden. Der Brunnen besteht aus weißem Carrara - Marmor. Im Zweiten Weltkrieg 1942 ist die Muschelminna für Rüstungszwecke eingeschmolzen worden. 1993 erfolgte ein Zweitguss der Muschelminna. Am 1. Mai 1994 wurde die Muschelminna wieder auf den Sockel des Brunnens aufgestellt. Als Nächstes besuchen wir die Frauenkirche, gleichfalls am Postplatz gelegen.
Gegründet wurde die Frauenkirche um die Mitte des 1400. Jahrhunderts. Zwischen 1449 und 1458 wurde die alte Kirche niedergerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser, eine gedrungene dreischiffige Halle mit ausgeschiedenem Chor, war 1473 so weit vollendet, dass die Kirche geweiht werden konnte. Nach einem Blitzschlag im Jahre 1480 musste jedoch das Dach wieder erneuert werden. Eine zweite Weihe 1486 dürfte der endgültigen Fertigstellung gegolten haben. Das große Maßwerkfenster des Turmes mit der flammenden Sternrosette lässt auf die Entstehung um 1460 schließen. Diese Maßwerkform ist in der Oberlausitz nicht wieder anzutreffen. Die Westvorhalle unter dem Turm ist etwa um 1480 entstanden. Die Vollendung des Turmes durch Erhöhung der Glockenstube fällt nach der Bauinschrift in die Jahre 1696 bis 1697. Erst im Jahre 1735 wurde die barocke Haube aufgesetzt. Von dem alten Friedhof, der einst östlich und zu beiden Seiten der Kirche lag, sind im Chor nur noch wenige Grabsteine erhalten. An der Frauenkirche grenzt das das berühmte Görlitzer Jugendstilkaufhaus.
Das Kaufhaus wurde im Jahre 1912/1913 erbaut. Deutschlands einziges original erhaltenes Kaufhaus vom Anfang des 19.Jh.s im Jugendstil. Berühmt ist das Kaufhaus durch seine imposante Innentreppe und der riesigen Glaskuppel im Lichthof. Besonders in den 80er und 90er Jahren wurde das Kaufhaus mit sehr viel Sorgfalt und Liebe zum Detail restauriert. Vom Kaufhaus aus bewegen wir uns nun in Richtung Marienplatz. Auf dem Marienplatz steht der Dicke Turm.
Der Dicke Turm oder auch Frauenturm wurde in früheren Jahren auch Steinturm genannt. Der 1305 erstmals erwähnte Rundturm verfügt über bis zu 5. Meter dicke Mauern und wurde in den Jahren 1998 - 99 umfangreich saniert. Die Renaissanceturmhaube stammt aus dem Jahre 1564. Das Sandsteinrelief von Briccius Gauske war seit 1477 am äußeren Frauentor angemauert. Nach dem Abriss des Tores erhielt es 1852 seinen jetzigen Standort. Links nicht weit entfernt vom Dicken Turm, befindet sich die Annenkapelle.
Die Annenkapelle wurde im Jahre 1508/12 durch den Kaufmann Hans Frenzel als Privatkirche erbaut. Hans Frenzel ist zu seiner Zeit auch der Reiche genannt worden. Im Jahre 1512 zu Pfingsten fand die Weihung der Annenkapelle statt. In Görlitz liegt der seltene Fall einer spätgotischen bürgerlichen Eigenkirche vor. Von der neu entstandenen katholischen Gemeinde ab 1845 kurzzeitig genutzt, ist das Gebäude seit 1903 Turnhalle und Aula der angrenzendenden Schule. Rechts von der Annenkapelle steht das Görlitzer Theater.